Eine eindrucksvolle Tour auf einen der schönsten Berchtesgadener Gipfel.

Auf einen Blick

Ausgangspunkt: Berchtesgaden – PP Hinterbrand (ca. 1100m)

Öffentlich: Bus 838 von Berchtesgaden nach Hinterbrand

(Der Frühbus fährt leider nur samstags und an Wochentagen außerhalb der Schulferien)

Höchster Punkt: Hoher Göll (2522m)

Höhenmeter: ca. 1500

Distanz: ca. 13km

Dauer: 7-8h

Schlüsselstelle: Kurze Kletterstellen in den Umgängen bis max. 1

Tourenspezifischer Hinweis: Die Tour erfordert trockenes Wetter, Kondition, Trittsicherheit und keine Scheu “zuzupacken”. Die Route ist gut markiert und nie besonders ausgesetzt. Bei dichtem Nebel in den “Umgängen“ (Karstfläche vor der Göllscharte), ist die Wegfindung dennoch schwierig und die Tour ggf. abzubrechen.

Fest verbunden mit den Berchtesgadener Alpen und doch zu drei Seiten freistehend. Egal ob von Berchtesgaden, Salzburg oder aus dem Salzachtal – der Hohe Göll ist ein beeindruckender Anblick. Auch die Anstiege sind vielseitig, jedoch allesamt anspruchsvoll. Dies erspart dem Berg die großen Menschenmassen.
Wir waren schon länger nicht mehr dort oben und hatten uns daher den einfachsten Aufstieg über den Alpeltalsteig vorgenommen. Dieser ist abwechslungsreich und landschaftlich vielfältig – ein schönes alpines Erlebnis also.

Da wir am Vortag den lauhen Abend auf unserem Balkon länger genossen haben, klingelte der Wecker erst etwas später. Nach dem obligatorischen Halt bei Tanjas Bäckerei in Marktschellenberg kommen wir gegen neun Uhr am Parkplatz unter dem Alpeltalsteig an. Die zwei (immer noch) kostenlosen Parkbuchten vor dem großen Parkplatz Hinterbrand sind der perfekte Ausgangspunkt für den Hohen Göll. Wer klimaneutral anreisen will kann den Parkplatz Hinterbrand mit dem Bus erreichen – allerdings mit der Einschränkung, dass dieser nur samstags und an in Bayern schulfreien Wochentagen früh genug fährt (da geht noch mehr!).

Vom Parkplatz steigen wir zunächst über einen Pfad durch eine Schneise im Wald hinauf. Nach gut 100hm endet der Pfad am Wandfuß der Brettgabel. Eine seilversicherte Passage führt uns nach links ins eigentliche Alpeltal (übrigens die einzige versicherte Passage der Tour). Das Seil ist im Sommer eher kosmetischer Art, da der Pfad an dieser Stelle breit ist. Allerdings weiß ich aus eigener Erfahrung, dass das Seil bei Skitourenbegehungen und wenig Schnee sehr hilfreich sein kann.

Versicherung am unteren Alpeltalsteig
Erste Steilstufe mit den Wänden der Brettgabel zur rechten Seite

Weiter hinauf geht es durch den lichten Wald bis zu einem Geröllfeld das aus den Wänden zwischen Alpeltal und Hohem Brett “gefüttert” wird. Es geht unschwierig über einen Pfad zu einer Steilstufe, die mit etwas Handarbeit gut erklommen werden kann.

Anschließend steigen wir über steilen Schotter (Stöcke empfehlenswert), der aber bald von weniger mühsamen Wiesenpfaden und Steigstufen abgelöst wird. Währenddessen passieren wir Dürreck und den Alpeltalkopf zu unserer Linken.

Blume des Tages – Weißer Germer

Der Weiße Germer blüht auf den Wiesenflächen hinauf zu den Umgängen.

Die Pflanze ist mit ihren feinen, weißen Blüten eine echte Augenweide und wird bis zu 1,5m hoch. Blüten bildet sie erst nach mehreren Jahren aus.

Im nicht blühenden Zustand sieht die Pflanze dem gelben Enzian sehr ähnlich, von dem sie sich optisch nur durch die Blattstellung unterscheidet.

Achtung: Die Pflanze ist giftig.

Take nothing but pictures!

Weiter oben werden die grünen Wiesen allmählich vom Grau der Karstlandschaft abgelöst. Der Weg wird nun etwas flacher und quert nach links (Norden). Wir gehen auf das Pflughörndl sowie die östlichen Ausläufer des Hohen Göll zu. Der Blick öffnet sich zum Endstal und weiter hinten sehen wir den Kehlstein (eigentlich Göllstein), samt Kehlsteinhaus und angrenzendem Mandlgrat (auch Manglgrat). Dieser hat seinen Namen aufgrund der an “Männchen“ erinnernden Steinformen und ist ein ebenso beliebter, aber etwas anspruchsvollerer Anstieg auf den Gipfel.

Für uns geht es weiter über eine kurze Abkletterstelle auf die sogenannten Umgänge – ein mal mehr mal weniger steiles Karstfeld, das von hier bis zur Göllscharte reicht. In der zunächst eintönig wirkenden Steinlandschaft kann man so manche Entdeckung machen. Beispielsweise Teile eines Flugzeugwracks, das angeblich im August 1945, kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs dort zerschellte (Artikel).

Ein Teil des Flugzeugflügels findet man (gut getarnt) links der Markierung
Aufstieg über Umgänge zur Göllscharte

Der nächste Wegweiser verrät uns, dass wir uns bereits auf 1922m befinden und es somit noch knapp zwei Stunden bis zum Gipfel sind.

Die Karstlandschfaft (genauer gesagt Karren) beeindruckt durch ihre bizarren Felsformationen, in denen man – mit ausreichend Phantasie – die lustigsten Formen erkennen kann. Für mich ist es immer wieder eine spannende Erfahrung, sich ohne sichtbaren Pfad, nur den Markierungen folgend, durch dieses versteinerte Meer zu bewegen. Die lebendige Natur entdeckt man hier oben beim genaueren hinschauen: In jeder kleinen Niesche finden Kräuter oder Steinblumen ein Zuhause.

Vom vorigen Wegweiser brauchen wir eine knappe Stunde bis wir am Abzweig an der Göllscharte ankommen. Dort treffen wir andere Bergsteiger:innen, die entweder auch auf dem Weg zum Hohen Göll sind oder aber die Überschreitung des Hohen Bretts in Richtung Süden angehen. Bei dieser Variante kann man entweder über die sog. “Brettgabel” zum Parkplatz Hinterbrand absteigen oder (mit etwas Umweg) auf dem ganzjährig offenen Stahlhaus schlafen oder sich dort zumindest für den Abstieg stärken.

Für uns geht es weiter zum Hohen Göll. Spätestens hier wird klar, dass es heute keinen Weitblick in das vor uns liegende Salzachtal geben wird. Aufgrund des dichten Nebels sehen wir kaum mehr den gleich neben uns liegenden Kuchler Kamm, der von der Ostseite zur Göllscharte hinaufzieht. Im Gegensatz zu den Umgängen ist die Wegfindung hier oben kein Problem. Jedoch fordert die schlechte Sicht und der aufziehende Wind unsere Motivation heraus.

Nebel am Weg zum Gipfel

Bis zum Gipfel ist es aber ja nicht mehr weit. Wir gehen natürlich trotz des kühlen Winds und auch ohne Fernsicht weiter und erreichen schnell das sogenannten “Kuchler Kreuz”, das ein paar Gehminuten vor dem eigentlichen Gipfel auftaucht (so mancher Wanderer hat es schon mit dem Gipfelkreuz verwechselt).

Gipfelkreuz des Hohen Göll

Nach einem weiteren kleinen Aufschwung erreichen wir das eigentliche Gipfelkreuz, dessen riesiger Kristall uns hier oben willkommen heißt.

Hier oben treffen sich nun die Gipfelstürmer:innen der verschiedenen Aufstiege von Nord- und Südseite – ein reges Kommen und Gehen.

Wir finden, trotz der Witterung einen windstillen Platz für unsere Rast samt Brotzeit – aufpassen müssen wir nur, dass uns die frechen Dohlen nicht unser Brot aus der Dose stibitzen.

Nach der Pause machen wir uns wieder an den Abstieg. Bis zur Scharte vergeht die Zeit schnell und dort hört auch der unangenehme Wind auf, der sich am Gipfelrücken als treuer Begleiter erwies. Weiter hinab geht es wieder über die Umgänge, Wiesengelände, Schotter und Wald. Nach gut sieben Stunden kommen wir wieder am Parkplatz an.
Trotz der schlechten Sicht am Gipfel sind wir voll und ganz zufrieden mit der gewählten Tour und dankbar für die vielen tollen Eindrücke. Den Ausblick vom Hohen Göll genießen wir bei unserer nächsten Tour, für die wir uns einen anderen Anstieg suchen. Die mangelnde Einkehrmöglichkeit unterwegs haben wir dann durch einen Besuch beim “Windbeutelbaron” ausgeglichen – auf dessen Panoramaterasse wir die Energiespeicher wieder auffüllen konnten.

Hinweis: Alle Angaben zu Zeiten und Schwierigkeiten entsprechen meiner persönlichen Wahrnehmung. Verlass dich nie auf nur eine Tourenbeschreibung, informiere dich selbst mit einer (Online)-Karte und taste dich langsam an deine Ziele heran.
Wenn du wenig Erfahrung hast und einen unbeschwerten Tag in den Bergen verbringen möchtest, melde dich bei einem/r Wander- oder Bergführer:in in der Region.

Hast du Fragen, Anregungen oder Meinungen? Nutz gern die Kommentarbox am Ende dieses Beitrags 🙂

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2 thoughts on “Hoher Göll über das Alpeltal

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